Die ERP-Bedarfsanalyse als Fundament einer erfolgreichen ERP-Einführung
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine ERP-Bedarfsanalyse?
- Warum Unternehmen ohne Analyse scheitern
- Die fünf Kernbereiche der ERP-Bedarfsanalyse
- Methodische Vorgehensweise
- Ergebnisse & Nutzen für Unternehmen
- Beispiele typischer Findings
- Checkliste: Ist Ihr Unternehmen bereit für ein ERP-Projekt?
- Fazit
1. Was ist eine ERP-Bedarfsanalyse?
Eine ERP-Bedarfsanalyse ist ein strukturierter Prozess zur systematischen Ermittlung aller geschäftlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen, die ein Unternehmen an ein zukünftiges ERP-System stellt. Sie beantwortet zentrale Fragen wie:
- Welche Prozesse müssen digitalisiert oder optimiert werden?
- Welche Funktionen sind zwingend notwendig, welche optional?
- Wie hoch ist der digitale Reifegrad des Unternehmens?
- Welche Integrationen und Schnittstellen werden benötigt?
- Welches Budget und welcher Zeitrahmen sind realistisch?
Ziel ist es, eine verbindliche, objektive und herstellerneutrale Entscheidungsgrundlage zu schaffen – bevor man mit ERP-Anbietern in Kontakt tritt. Ohne diese Grundlage werden ERP-Projekte häufig unnötig teuer, langwierig oder scheitern vollständig.
Grafik: Die Rolle der Bedarfsanalyse im ERP-Projekt
2. Warum Unternehmen ohne Analyse scheitern
Über 70 % aller ERP-Projekte überschreiten Zeit- oder Budgetrahmen – häufig, weil zu früh mit der Systemauswahl begonnen wird.
- Auswahl eines Systems, das die realen Prozesse nicht unterstützt
- Überdimensionierte Lizenzen oder unnötige Module
- Unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Projektstruktur
- Fehlende Vergleichbarkeit der Anbieterangebote
- Unrealistische Erwartungen an Kosten oder Zeit
Die Bedarfsanalyse eliminiert diese Risiken und schafft Fakten statt Bauchgefühl.
3. Die fünf Kernbereiche der ERP-Bedarfsanalyse
1) Geschäftsprozesse
Analyse der End-to-End-Prozesse in Einkauf, Logistik, Lager, Produktion, Vertrieb, Service, Buchhaltung und Projektmanagement.
Schwerpunkt: Wo entstehen Medienbrüche, manuelle Tätigkeiten oder doppelte Datenerfassung?
2) Branchenspezifische Anforderungen
Industriespezifische Funktionalitäten, z. B. Seriennummern, Chargen, Produktionsplanung, Variantenfertigung, Montage, Projektabrechnung etc.
3) Technische Anforderungen
- Cloud vs. On-Premise
- Integrationen (CRM, Shop, BI, IoT, Maschinen)
- Datensicherheit & Compliance
4) Organisatorische Anforderungen
Rollenmodelle, Berechtigungen, Verantwortlichkeiten, Standortstruktur, Zukunftsplanung (neue Standorte, Internationalisierung etc.)
5) Digitaler Reifegrad
Grafik: Beispielhafte Reifegradbewertung (SVG-Radar)
4. Methodische Vorgehensweise
1) Kick-off & Scope-Definition
Abstimmung über Ziele, Projektumfang, Stakeholder und Zeitplan.
2) Prozess-Workshops
Interviews und Workshops mit Fachabteilungen zur Erhebung des Ist-Zustands und zur Definition des Soll-Zustands.
3) Anforderungsdokumentation
Strukturierte Sammlung aller Anforderungen in Muss/Soll/Kann.
4) Konsolidierung & Priorisierung
Management-Abstimmung, Bewertung der kritischsten Anforderungen und Ableitung der ERP-Kurzliste.
5) Ergebnisbericht
Erstellung eines PDF-Dokuments inkl. Prozessanalyse, Scoring, Reifegrad, Shortlist und Handlungsempfehlungen.
5. Ergebnisse & Nutzen
- Klarheit über Anforderungen & Prozesse
- Risiko-Reduzierung für Fehlentscheidungen
- Vergleichbare ERP-Angebote auf einheitlicher Basis
- Schnellere Projektdurchlaufzeiten
- Weniger Beratungsaufwand und niedrigere Kosten
6. Beispiele typischer Erkenntnisse („Findings“)
- Über 40 % der aktuellen Tätigkeiten sind manuell und nicht notwendig
- Keine Integration zwischen ERP, CRM und Buchhaltung → doppelte Datenpflege
- Warenbestände werden nicht in Echtzeit abgebildet
- Fehlende Produktionsplanung führt zu Engpässen
- Reporting erfolgt über Excel statt automatisierte Auswertungen
7. Checkliste: Ist Ihr Unternehmen bereit?
- Haben wir klare Ziele für unser ERP-Projekt?
- Sind die wichtigsten Prozesse dokumentiert?
- Gibt es intern eine verantwortliche Projektleitung?
- Wissen wir, welche kritischen Anforderungen zwingend erfüllt sein müssen?
- Haben wir eine realistische Vorstellung von Kosten und Dauer?
Fazit
Eine ERP-Bedarfsanalyse ist kein optionaler Schritt – sie ist das Fundament eines erfolgreichen ERP-Projekts. Sie spart Zeit, reduziert Risiken und stellt sicher, dass das ausgewählte System wirklich zum Unternehmen passt.